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Samstag, 15-Dez-2018 | 12:07

Miyagi Chojun

Miyagi war Vater und Begründer des Goju-ryu Karate. Er wurde am 25. April 1888 geboren und begann schon als Kind mit der Übung des Karate. Im Alter von 14 Jahren lernte er Kanryo Higashionna kennen (dieser war damals 49 Jahre alt) und wurde dessen Schüler. Es wird berichtet, daß Sensei Higashionna in den ersten sechs Monaten des Unterrichtes seine Schüler nur Unsoku-ho (Fußbewegungen) lehrte. Danach ging er nahtlos zur Sanchin-Kata über, die er je nach dem Fortschritt der Schüler drei bis vier Jahre lang üben ließ. Das Training soll sehr anstrengend gewesen sein, denn Higaonna bestand darauf, daß alle seine Schüler in diesen ersten Jahren eine gute körperliche Kondition erhielten, die Atmung der Sanchin beherrschen lernten und gleichzeitig die schwierigen Spannungsvariationen, die im Shorei-ryu erforderlich waren, meisterten. Miyagis Familie gehörte der niederen Adelsklasse an, war jedoch eine der vermögendsten in ganz Naha. Sie besaß zwei Handelsschiffe und beschäftigte sich mit der Einfuhr von Medizin aus China. Miyagis Vater, Chosho Miyagi, war der dritte Sohn in der Familie, doch da der männliche Haupterbe frühzeitig verstarb, wurde der junge Chojun (er war damals gerade 5 Jahre alt) von der Hauptfamilie adoptiert und als Erbe eingesetzt. Da dies eine verantwortungsvolle Aufgabe war, beschloß Miyagis Mutter, daß der Sohn die Kampfkünste lernen solle, und so brachte sie ihn damals (Miyagi war 11 Jahre alt) zu Meister Ryuko Aragaki, der Miyagis erster Lehrer wurde. Als Miyagi 14 Jahre alt war, stellte sein Lehrer ihn Kanryo Higashionna vor. Miyagis Studien Miyagi übte 15 Jahre lang unter Meister Kanryo Higaonna, bis zu dessen Tod im Oktober 1916. In demselben Jahr reiste Miyagi nach China in die Provinz Foochow, um das ehemalige Dojo seines Sensei zu suchen. Doch er fand den Ort verlassen und die Gebäude zerstört. Von einem ehemaligen Schüler Ryu Ryukos hörte er, daß die meisten chinesischen Kampfkunstexperten entweder getötet worden oder nach Singapur und Malaysia geflohen waren (Boxerauf-stand). Als Miyagi aus China zurückgekehrt war, verbrachte er einige Zeit damit die Kata Rokkishu zu studieren, aus der er die heute im Goju bekannte Tensho gründete. Kurze Zeit darauf gründete er die Grundformen der beiden Kata Gekkisai-daiichi und Gekkisai-daini. Doch sein eigentliches Meisterstück ist bis heute die Tensho. In all den Jahren begann Miyagi bereits sein eigenes System zu entwickeln. Doch bis zur Gründung des Goju-ryu sollte noch einige Zeit vergehen. Zuerst gab er in Okinawa einige Vorführungen, die das Aufsehen der Öffentlichkeit erregten. Er hielt es für wichtig, das okinawanische Karate zu organisieren, und sagte dieser Kunst bereits im Jahre 1925 eine weltweite Verbreitung voraus. Zu diesem Zweck gründete Miyagi im Jahre 1926 in Wakasa-cho, Naha-shi, einen Karate-Club, den er Karate Research Club nannte. Die Absicht dieser Vereinigung war es, Karate unter universellen Aspekten zu unterrichten und an die Schüler weiterzugeben. Deshalb wurde er von verschiedenen okinawanischen Experten geleitet, die sich im Unterricht abwechselten: Chojun Miyagi (Naha-te), Choju Motobu (Shorin-ryu), Kenwa Mabuni (Shito-ryu) und Chomo Hanashiro (Shuri-te). Die Traininge fanden in einem Garten statt. Neben den körperlichen Übungen waren theoretische Seminare fester Bestandteil der Ausbildung zu jener Zeit. Im Jahre 1927 wurde der Karate Research Club von Jigoro Kano besucht, der sich ausführlich über das okinawanische Karate informierte. Ab dieser Zeit hatte Sensei Miyagi Briefkontakt mit Kano, der ihm später in Japan half, das okinawanische Karate bekannt zu machen. Der Karate Research Club wurde jedoch im Jahre 1929 aufgelöst, da die Lehrer ihre eigenen Wege gingen. Im Jahre 1930 führte Miyagis ältester Schüler, Shinzato Jin'an, aus Anlaß der Krönung von Kaiser Hirohito in Japan eine Kata vor. Shinzato wurde anschließend von einem japanischen Budo-Meister gefragt, zu welcher Schule er gehöre. Er konnte diese Frage nicht beantworten, da es in Okinawa zu jener Zeit noch nicht üblich war, den Schulen eigene Namen zu geben. Als er nach Okinawa zurückkehrte, berichtete er jedoch Miyagi von dem Vorfall, und dieser beschloß daraufhin, seinen Stil nach den Leitlinien des chinesischen Kempo zu benennen. So entstand der Name Goju-ryu. Im Jahre 1933 wurde Miyagis Stil unter diesem Namen formell in die Listen des Butokukai in Japan eingetragen. Im Jahre 1934 wurde er vom Butokukai als Leiter der Butokukai-Zweigstelle in Okinawa benannt. In den darauffolgenden Jahren verwendete Miyagi einen beträchtlichen Teil seines großen Vermögens, um in der Welt umherzureisen und sein Studium in den Kampfkünsten zu vertiefen. Zuerst reiste er nach Hawaii, wohin er eingeladen wurde, um Karate vorzustellen und zu lehren. Dort blieb er 10 Monate lang. Nachdem er nach Okinawa zurückgekehrt war, reiste er 1936 nach Zentralchina, wo er in einem Tempel den Zen-Buddhismus und die chinesische Kampfkunst Bagua studierte. In seinem neu erschaffenen System, Goju-ryu (hart-weich Stil), verband er Higashionnas Naha-te mit den Atmungsmethoden des Zen und der darin hochentwickelten Kunst der Geisteserziehung. Er lehrte diese Kampfkunst in seiner Schule in Naha und legte besonderen Wert auf die "innere Stärke". Die Sanchin und die Tensho, wie sie heute im Goju-ryu geübt werden, führte er offiziell in dieses System ein. Aufgrund seines Vermögens konnte er überall in der Welt umherreisen und sein Karate verbreiten. Auf Einladung von Gogen Yamaguchi hielt er sich auch längere Zeit in Japan auf und bestimmte Yamaguchi zu seinem Nachfolger im japanischen Goju-ryu.